3 Probleme bei der Entwicklung von Verpackungen

Menschen ❤ persönliche Dinge. Sei es den eigene Name auf der Tasse oder T-Shirt gedruckt zu sehen oder sein eigenes Bild auf der Verpackung des Parfüm-Flacons zu bestimmen. Das Internet und neue Technologien geben dem Do-It-Yourself (DIY) Markt ein richtigen Boost. Nähen, basteln oder bauen. Hauptsache etwas mit einer individuellen Note hinterlassen.

Wie schaffen Unternehmen es sich im Bereich Verpackungsentwicklung an diesen Trend anzupassen? Schnellere Entwicklungszeiten müssen her, jedoch dürfen die Antworten für folgenden Fragen nicht zu kurz kommen. Wie spricht die Verpackung den Konsumenten emotional, haptisch, olfaktorisch und visuell an? Wie lässt sich die Verpackung gestalten, um die Kaufentscheidung und Usability positiv zu beeinflussen? Mit solchen Fragen setzen sich Marketiers auseinander und entwickeln mit Designern Produktverpackungen.

Wo sind Probleme und Bottle-Necks in der Verpackungsentwicklung? Diese Frage beleuchte ich heute aus der Designerperspektive. Unsere Marketingfreunde kommen heute etwas kürzer.

In den vergangenen Wochen habe ich mich bei Gestalter umgehört und nach ihren Problemen in der Verpackungsentwicklung befragt.

Folgende drei Probleme bei der Verpackungsentwicklung haben sich aus der Befragung kristallisiert.

Zu Beginn kenne ich nicht das finale Endprodukt

Entwurf Faltschachtel
Die Anforderungen kommen vom Endkunden oder Marketingabteilung. Die Verpackung hat die Dimensionen XYZ und muss in Pantone 120 gedruckt werden. In die Verpackung kommt Produkt ABC. So oder ähnlich werden Designer gebrieft.
Entweder handelt es sich um ein Nachdruck von alten Verpackungen oder es geht an ein komplett neues Verpackungskonzept.

So oder so, als Verpackungsdesigner setzt man sich hin und zerbricht sich den Kopf. Der Kopf qualmt, Scribbels hier und Verpackungsdummies da. Bilder oder Illustrationen kombiniert mit Schrift und Angaben zum Produkt. Das Feintuning wird dann in Adobe Illustrator gesetzt und rein gezeichnet.

Die Überraschung kommt kurz vor Ende. Das finale Produkt wurde fertig entwickelt oder Produktmuster erreichen den Gestalter kurz vor Deadline und wir stellen fest. Uups… das Produkt passt nicht ganz in die Verpackung. Die Konsequenz ist, noch mal Hand anlegen und die Stanzform anpassen, alle Gestaltungselemente verschieben, damit Proportionen und Positionen wieder passen. Dummies bauen und nochmal eine Freigaberunde abwarten, bis das GO aus der Marketingabteilung kommt.

Das Material nicht abgestimmt

Welches Material?
Kennt Ihr das Problem? Die Stanze für die Verpackung ist reingezeichnet und alle Maße passen wie die Faust aufs Auge? Und dann… Oh wir drucken auf 400 g/m2 Karton. Dummies wurden auf dünnerem Material gebaut und das finale Druckmaterial hat ein größeres Volumen, was sich auf die Verschlussklappe oder Einstecklasche der Verpackung auswirkt. Das bedeutet, der Verpackungsdeckel kann ausbeulen oder lässt sich nicht schließen.

Die Folgen könnt Ihr euch sicherlich ausmalen. Adobe Illustrator aufmachen und wieder Pixelschupsen. Dummies bauen und der Freigabezyklus dreht sich erneut. Hurra, das haben wir doch gerne!

Änderungen während des Projektes nicht sofort visualisierbar

Projekt visualisieren
Es gibt professionelle Software für Verpackungen von Esko oder Package Designer, die die Planung und Umsetzung von Verpackungen erleichtert. Diese übernehmen Verpackungsdesignern nicht das Talent, Ideen auf Papier zu bringen. Bilder, Linien, Farben und Formen müssen komponiert und harmonisch zusammen gestellt werden. Bis der Gestalter diese “Harmonie” erreicht, werden Ideen verworfen und neue erarbeitet.
Das Problem beim Entstehungsprozess von Verpackungen, liegt darin, dass Ideen nicht sofort dreidimensional visualisierbar sind. Das heißt, wenn ich eine Linie oder das Bild auf einer Stanzevorlage verschiebe, wie kann ich so schnell wie möglich sehen, wie die Veränderung auf der Verpackung aussieht? Welche Abhängikeiten muss ich berücksichtigen? Kann ich die Änderung so umsetzen oder muss ich erst “wieder” ein Dummy bauen, um neue Ideen einzuseins auf der Verpackung zu sehen.

Was mich brennend interessiert sind die Entwicklungszeiten (ab dem Zeitpunkt an dem der Verpackungsdesigner konzeptionell arbeitet) für Verpackungen. Leider habe ich noch keine quantitativen Auswertungen zu den Zeiten. Aus dem persönlichen Gespräch erhielt ich Projektzeiten zwischen 2-5 Wochen.

Wie sind Eure Erfahrungen?

  1. Ergeht es euch auch so wie unseren befragten Designern?
  2. Welche Tools/Software verwendet Ihr, um die oben genannten Probleme zu umgehen?
  3. Erlebt und erfahrt Ihr im eigenen Arbeitsalltag den DIY-Trend?
  4. Was würde Euch enorm helfen bei der Umsetzung von Verpackungen?

Danke an alle Leuten, die sich Zeit für das Interview genommen haben.