Software zur Entwicklung einer Faltschachtel

Heute befassen wir uns etwas genauer mit dem dritten Problem aus dem Beitrag “Probleme bei Verpackungsentwicklung”. Eine herausfordernde Aufgabe für Verpackungsentwickler ist es, Änderungen im Gestaltungsprozess schnell zu visualisieren. Für uns wäre ideal ein Gerät oder Software mit der man auf Knopfdruck eine gedrucktes, gestanztes und gefaltetes Dummy einer Faltschachtel erhält. Lösungen gibt es hier auf dem Markt, jedoch kannst du nicht jedesmal die Kosten und Zeit für ein solches Faltschachtel-Dummy tragen. Eine andere Lösung muss her! Wie in anderen Industrien z.B. der Automobilbranche oder Maschinenbau, gibt es in der Druck- und Verpackungsbranchen Software zur 3D-Simulation eines Produktes. So gibt es auch für Verpackungen.

Die bekannteste Software kommt aus dem Hause Esko (Disclaimer: wir sind keine Partner oder Reseller von Esko). Weitere Anbieter findest du auf der Drupa Seite für Verpackungssoftware. Unter die Lupe haben wir uns genommen Engview, VPACK und Packedia.

Auf der Suche nach einem Anbieter für unsere Bedürfnisse habe ich fest gestellt, dass alle Anbieter, die ich getestet habe, ähnliche Lösungen anbieten. Nachfolgend drei Kernprobleme, die die Entwickler der Verpackungssoftware lösen möchten.

Datenbank an Standard Stanzkonturen für Faltschachteln

Faltschachtel Standards

Als Neuling und Grafiker für Faltschachteln, muss du nicht das Rad neu erfinden. Die Hersteller der Verpackungssoftware stellen dir eine Sammlung (Standards nach Fefco oder ECMA) an Faltschachteln zur Verfügung. Mit wenigen Klicks erhält der Benutzer eine Stanzkontur, die durch die Software in ein ausgewähltes Datenformat exportiert wird. Mit der exportierten Datei kannst du die Faltschachtel ensprechend gestalten z.B. in Adobe Illustrator. Zwischen den Anbietern unterscheiden sich die Lösungswege darin, dass entweder durch eine 2D-Software oder eine 3D-Software (CAD) die Stanzkontur exportiert wird. Natürlich lassen sich in der Software die Stanzkonturen anpassen, bevor du diese final exportierst.

Fazit 1 — Standard Faltschachteln sparen Zeit bei der Erstellung von Stanzkonturen. Will man mehr, muss man als Verpackungsentwickler trotzdem die Ärmel hoch krempeln.

Problem gelöst, schnell Faltschachtel Stanzkonturen finden durch ein Stanzvorlagenbibliothek. Leider eben nur Standards. Individuelle Wünsche müssen weiterhin entwickelt werden, aber durch Standardelemente wie Verschlusstypen, Materialbestimmung und anderen Parametern, kommt man als Verpackungsentwickler schneller zu einem Ergebnis.

Adobe Illustrator Plugin für 3D Ansicht

Adobe Illustrator Logo + 3D

Die meisten Hersteller bieten im Softwarepaket ein Adobe Illustrator Plugin an, welches ein Fenster mit einer 3D-Ansicht zeigt. In “fast” Echtzeit werden Änderungen in Illustrator z.B. Platzieren von Bildern direkt in der 3D-Ansicht angezeigt. Zudem lassen sich durch die 3D-Ansicht der Faltschachteln, das “Falten” der Schachteln abspielen. Mit einem Klick faltet sich dann das 3D-Modell zu und auf. Verpackungsdesigner sehen somit wie die Gestaltung von der Materialsstärke, Verschlussart etc.abhängig ist. Ergo auch früher Probleme erkennen, die ohne 3D-Simulation erst beim Dummybau zu sehen wären.

Fazit 2 — Die 3D-Visualisierung direkt im Layoutprogramm hilft uns enorm. Manko ist, dass die Plugins nur für Adobe Illustrator entwickelt wurden.

Problem gelöst, Änderungen direkt in 3D visualisierbar. Jedoch eingeschränkt auf Adobe Illustrator. Das Illustrator Plugin von VPACK bietet nur eingeschränkt die 3D-Visualisierung in Illustrator an. Doch punktet es mit anderen Funktionen (Welche genau? Damit beschäftigen wir und in einem anderen Beitrag).Das nachfolgende YouTube Video zeigt dir, wie das Gestalten in Illustrator mit einem Plugin für die Verpackungsentwicklung funktioniert.

Schnelles Feedback von Kunden während der Faltschachtelentwicklung durch 3D PDF

Faltschachtel Modell als 3D PDF in Adobe Reader

Hat man die Faltschachtel entworfen, geht es hier erst richtig los! Du musst die Produktentwicklung, Marketing, Endkunden und andere Stakeholder involvieren, um Feedback zu sammeln. Damit diese Personen sich die Faltschachtel in 2D und 3D betrachten können, bräuchten diese theoretischerweise auch die eingesetzte Verpackungssoftware. Das ist praktisch nicht machbar, da für jede Softwareinstallation üblicherweise eine Lizenz gezahlt werden muss bzw. zusätzliche Kosten anfallen. Hier kommt 3D PDF ins Spiel. Die evaluierten Programme können 3D PDF Dateien aus einem 3D-Modell der Verpackung generieren. Der Vorteil ist: fast jeder PC-Nutzer hat heutzutage Adobe Reader installiert. Sobald eine Faltschachtel als 3D in ein PDF eingebettet ist, kann der Betrachter wie in einer 3D Software, das 3D-Modell aus verschiedenen Perspektiven betrachten, rein und raus zoomen oder Animationen abspielen (falls hinterlegt).

In dem kurzen Screencast siehst du die Standardfunktionen von 3D PDF. Möchtest du es gleich selbst testen? Lade einfach nachfolgende 3D PDF Testdatei herunter und spiele selbst mit den 3D Funktionen.

Test 3D PDF herunterladen

Fazit 3 — 3D PDF erleichtert die Zusammenarbeit/Kommunikation zwischen Verpackungsentwicklern und Stakeholdern.

Problem gelöst, Kunden involvieren durch 3D PDF. Auch hier noch etwas limitiert. Schön wäre es, wenn wir mit wenig Aufwand und Zusatzsoftware 3D Modelle über den Webbrowser betrachten und kommentieren könnten.

Welche Verpackungssoftware ist für dich geeignet?

Wir haben auf Basis von verschiedenen Faktoren unsere eigene Verpackungssoftware ausgewählt.
Hierzu haben wir uns folgende Fragen gestellt:

  1. Welchen Schwerpunkt hat die Software?
    Ist es eine rein technische Software für die CAD Konstruktionen von Verpackungen? Oder liegt der Fokus mehr in der Verpackungsgestaltung
  2. Aus welcher Branche stammt die Software?
    Einige Hersteller haben Ihre Wurzeln in der Herstellung von Stanzen. Aus diesem Grund sind auch Abläufe innerhalb der Software für Verpackungsdesigner schwieriger nachvollziehbar sind. Zumindest erging es mir so.
  3. Wie modular und offen ist die Software?
    Jede Hersteller hat seine eigenen Interessen und hat eigene proprietären Dateiformate. Bist du bereit dich mit diesem zu “verheiraten”? Evtl. tritt eines Tages der Zeitpunkt ein, an dem du oder dein Chef sagt, wir wechseln zu einem anderen Hersteller.
  4. Brauchst du wirklich alle Funktionen?
    Was kann der eine mehr oder weniger? Welche Lösungen bringen dir und deinen Endkunden Mehrwert?
  5. Welche Schnittstellen bietet die Verpackungssoftware an?

Leider konnte ich nicht jede Software auf Herz und Niere prüfen, um eine objektiven Bericht zu schreiben. Eingeschränkt wurde ich, durch
a) Kostengründen, da wir nicht alle Softwarelizenzen haben,
b) Demoversionen nicht zur Verfügung gestellt wurden und
c) Verpackungssoftware im Detail sehr komplex sind und hier viel mehr Zeit investiert werden müsste, um einen detaillierteren Benchmark der Funktionen zu erstellen. Evtl. wird das eine Aufgabe für die Zukunft sein, damit Ihr als Leser und Suchende einfacher entscheiden könntet.

Was kostet mich der ganze Verpackungssoftware-Spaß?

Wie bei anderen Softwareherstellern auch hängt der Preis von den Funktionen ab, die du brauchst. Die Preise rangieren zwischen ca. 500 – 7.500 Euro. Achtet bei der Auswahl nicht nur auf die Kosten. Kundensupport ist das A&O. Erreiche ich gleich jemanden, wenn ich Probleme oder Fragen habe? Bei einer neu angeschaften Software hast du sicherlich ganz viele Fragen! Lässt sich die Software individualisieren? Evtl. brauchst du kleine Integrationen oder Anpassungen wie z.B. dein Firmenlogo in Vorlagen einbauen oder ein Plotter/Cutter anbinden. Einfach mal nachfragen.

Hast du Erfahrungen mit einer speziellen Software für deine Verpackungsentwicklung? Was findest du an dieser gut bzw. verbesserungsfähig?